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04.03.2026

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Patient Blood Management: Forschung, Versorgung und Verantwortung

Die Rolle der DRK-Blutspendedienste

Bluttransfusionen gehören zu den großen medizinischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Sie ermöglichen komplexe Operationen, retten Unfallopfer und sind für viele schwerkranke Patientinnen und Patienten unverzichtbar. Gleichzeitig hat sich die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten stetig weiterentwickelt: Heute geht es nicht mehr nur darum, Blut verfügbar zu haben – sondern auch darum, es so gezielt und verantwortungsvoll wie möglich einzusetzen.

Genau hier setzt ein Konzept an, das international zunehmend an Bedeutung gewinnt: Patient Blood Management (PBM).

Auch die DRK-Blutspendedienste sind seit vielen Jahren Teil dieser Entwicklung.

Wenn Medizin genauer hinschaut

Lange Zeit galt die Bluttransfusion als relativ unkomplizierte Standardtherapie. Doch mit wachsendem medizinischem Wissen wurde deutlicher: Auch Blutprodukte sind hochwirksame Medikamente – mit Nutzen, aber auch mit möglichen Risiken.

Dazu zählen nicht nur seltene infektiologische Risiken, die heute durch moderne Testverfahren stark minimiert sind, sondern auch andere Faktoren, etwa immunologische Reaktionen oder Auswirkungen auf den Verlauf bestimmter Erkrankungen. Gleichzeitig rückten Kostenfragen und der Wunsch nach einer möglichst präzisen, evidenzbasierten Therapie stärker in den Fokus.

Vor diesem Hintergrund begannen Medizin und Transfusionsforschung weltweit, den Einsatz von Blutprodukten systematisch zu hinterfragen.

Die zentrale Frage lautete: Wann ist eine Transfusion wirklich notwendig – und wann gibt es bessere Alternativen?

Das Konzept hinter Patient Blood Management

Patient Blood Management ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Optimierung der Behandlung von Patientinnen und Patienten. Ziel ist es, Bluttransfusionen nur dann einzusetzen, wenn sie medizinisch wirklich erforderlich sind.

Das Konzept beruht im Wesentlichen auf drei Säulen:

1. Behandlung von Anämien vor Operationen
Viele Patientinnen und Patienten gehen bereits mit einem zu niedrigen Hämoglobinwert in eine Operation. Wird eine solche Anämie frühzeitig erkannt und behandelt – etwa durch Eisen- oder andere Therapien – lässt sich das Transfusionsrisiko deutlich senken.

2. Minimierung von Blutverlusten
Moderne chirurgische Verfahren, verbesserte Gerinnungsdiagnostik oder sogenannte „Cell-Saver“-Systeme helfen dabei, Blutverluste während einer Operation zu reduzieren.

3. Evidenzbasierte Transfusionsentscheidungen
Transfusionen erfolgen auf Grundlage klarer medizinischer Leitlinien und individueller Patientensituationen.

Das Ziel ist dabei keineswegs, Bluttransfusionen grundsätzlich zu vermeiden. Vielmehr geht es darum, die bestmögliche Therapie für den jeweiligen Patienten zu finden.

Wissenschaftliche Beiträge aus der Transfusionsmedizin

Die Entwicklung von Patient Blood Management wäre ohne die Expertise der Transfusionsmedizin kaum denkbar. Fachärztinnen und Fachärzte für Transfusionsmedizin beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit der sicheren Anwendung von Blutprodukten, ihrer Indikation und ihrer optimalen Integration in klinische Abläufe.

Auch Einrichtungen der DRK-Blutspendedienste haben früh an entsprechenden wissenschaftlichen Projekten mitgewirkt.

So waren Transfusionsmediziner der DRK-Blutspendedienste an multizentrischen Studien beteiligt, in denen Sicherheit und Effizienz von PBM-Programmen untersucht wurden. Ein groß angelegtes Forschungsprojekt unter Beteiligung mehrerer Universitätskliniken beobachtete beispielsweise über Jahre hinweg chirurgische Patientinnen und Patienten, um die Auswirkungen eines strukturierten PBM-Programms zu analysieren.

In solchen Projekten arbeiten Chirurgie, Anästhesiologie und Transfusionsmedizin eng zusammen – ein Beispiel dafür, wie interdisziplinäre Forschung neue Standards in der Patientenversorgung entwickeln kann.

Engagement der DRK-Blutspendedienste

Die DRK-Blutspendedienste begleiten die Entwicklung von Patient Blood Management auf mehreren Ebenen:

  • Wissenschaftliche Kooperationen mit Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen
  • Mitwirkung in nationalen und internationalen PBM-Netzwerken
  • Fortbildungsangebote und Schulungsprogramme für medizinisches Personal
  • Transfusionsmedizinische Beratung für Kliniken bei der Umsetzung von PBM-Strategien

Gleichzeitig bleibt eine der zentralen Aufgaben der DRK-Blutspendedienste unverändert: die sichere und zuverlässige Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Blutpräparaten.

PBM verändert also nicht die Bedeutung der Blutspende – sondern die Art und Weise, wie Blutprodukte medizinisch eingesetzt werden.

Ein Thema, das auch wirtschaftlich diskutiert wird

Dass sich durch medizinische Entwicklungen auch Veränderungen im Bedarf einzelner Blutprodukte ergeben können, wird gelegentlich auch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive betrachtet.

So weist etwa ein Geschäftsbericht eines Blutspendedienstes darauf hin, dass langfristig sowohl Veränderungen im Transfusionsverhalten als auch Patient-Blood-Management-Programme Auswirkungen auf Absatzentwicklungen einzelner Blutkomponenten haben könnten.

Diese Einschätzung beschreibt jedoch in erster Linie strukturelle Entwicklungen im Gesundheitssystem. Sie ist keine Kritik am Konzept des Patient Blood Management. Geschäftsberichte verfolgen eine kaufmännische Perspektive: Unternehmen sind verpflichtet, mögliche Markt- und Ertragsrisiken transparent zu benennen – auch dann, wenn diese aus medizinischen oder gesundheitspolitischen Entwicklungen entstehen. Die Darstellung solcher Risiken ist daher Teil einer verantwortungsvollen wirtschaftlichen Berichterstattung und bedeutet nicht, dass die zugrunde liegenden medizinischen Konzepte grundsätzlich in Frage gestellt werden.

Im Gegenteil: Aus Sicht der Transfusionsmedizin ist es selbstverständlich, medizinische Therapien kontinuierlich weiterzuentwickeln – auch wenn dies Anpassungen in Versorgungsstrukturen erfordert.

Blutspende bleibt unverzichtbar

Auch mit etabliertem Patient Blood Management bleiben Bluttransfusionen in vielen Situationen lebensrettend:

bei schweren Unfällen, großen Operationen, in der Krebstherapie oder bei angeborenen Erkrankungen des Blutes.

Blutpräparate lassen sich zudem nur begrenzt lagern und müssen kontinuierlich neu gewonnen werden. Eine stabile Versorgung mit freiwilligen Blutspenden bleibt daher eine Grundvoraussetzung moderner Medizin.

Patient Blood Management und Blutspende verfolgen letztlich dasselbe Ziel:

eine sichere, verantwortungsvolle und bestmögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten.

Und genau daran arbeiten die DRK-Blutspendedienste – in der Forschung, in der klinischen Zusammenarbeit und jeden Tag gemeinsam mit hunderttausenden engagierten Blutspenderinnen und Blutspendern.

Bildquelle: Adobe Stock, 71654301
Urheber: chanawit


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