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Dürfen Menschen mit Behinderungen Blut spenden?

Immer mal wieder kommt die Frage auf, ob auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen Blut spenden dürfen. Wie gehen wir im DRK-Blutspendedienst West damit um, wenn ein Mensch mit Behinderung Blut spenden möchte? Am wichtigsten ist uns die Regel, dass es keine Kollektiventscheidung gibt. Es geht nicht um die Blinden, die Gehörlosen, die Rollstuhlfahrer – wir betrachten immer den individuellen Fall.

Blinde dürfen bei uns grundsätzlich Blut spenden. Natürlich prüft der Arzt vor Ort – wie bei jedem anderen Blutspender – im Einzelfall, ob es Gründe für eine Rückstellung von der Blutspende gibt (zum Beispiel: akute Erkrankung, Fernreise, niedriger Hb-Wert).
Die Erblindung als solche ist kein Hinderungsgrund. Da die ärztliche Schweigepflicht gilt, kann unser Arzt oder von ihm beauftragtes medizinisches Fachpersonal Fragebogen und Selbstausschluss vorlesen und die Dokumente nach den Angaben der blinden Person ausfüllen. Das gilt übrigens auch für Analphabeten. Blindenhunde dürfen jedoch aus naheliegenden Gründen nicht mit in den Entnahmebereich, können aber selbstverständlich vor Ort betreut werden.

Bei Gehörlosen ist es etwas schwieriger, weil unsere Teamärzte die Gebärdensprache in der Regel nicht beherrschen. Es ist aber grundsätzlich nicht unmöglich, dass Gehörlose Blut spenden. Wir organisieren sogar einen eigenen Blutspendetermin in einer Essener Berufsschule für Hörgeschädigte.

Für betreute Personen haben wir aufwendige Einzelfallregelungen getroffen. In diesen Fällen kann eine Entscheidung in der Regel nicht vor Ort bei der Blutspende getroffen werden. Die Beurteilung erfolgt durch die ärztliche Entnahmedienst-Leitung nach enger Abstimmung mit dem jeweiligen behandelnden Arzt sowie gegebenenfalls nach einem persönlichen Gespräch mit der spendewilligen Person. Entscheidend hierbei ist die Einschätzung, ob die spendewillige Person die Konsequenzen des eigenen Handelns hinsichtlich der eigenen Gesundheit und der des Transfusionsempfängers hinreichend beurteilen kann.

Auch bei Rollstuhlfahrern muss jeder Einzelfall geprüft werden. Abhängig von dem Grund der Behinderung, die den Spendewilligen in den Rollstuhl zwingt, kann zum Beispiel eine deutliche Störung der Kreislaufregulationsmechanismen bestehen. Es muss sichergestellt sein, dass die Spende und die gegebenenfalls notwendige Behandlung von Kreislaufreaktionen in einer liegenden Position erfolgen kann.

Fazit: Wir schließen Spendewillige mit körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen selbstverständlich nicht grundsätzlich von der Blutspende aus. Wir müssen jedoch immer die Sicherheit des Transfusions-Empfängers und den Schutz des Blutspenders ganz nach vorne stellen. Niemand soll sich selbst durch eine Blutspende schaden, niemand darf durch eine Blutübertragung gefährdet werden.


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