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41 Menschen haben mir bis heute mit ihrem Blut geholfen am Leben zu bleiben

Regina erzählt ihre persönliche Geschichte

41 Menschen haben mir bis heute mit ihrem Blut geholfen am Leben zu bleiben

Von Regina H.-T.                                                                                                           

Ich bin jetzt 69 Jahre alt. Dass ich diesen Geburtstag Ende letzten Jahres erleben durfte, verdanke ich vielen Blutspenderinnen und Blutspendern. Um genau zu sein bis heute 41 Blutspenden von Menschen, die anderer Menschen Leben mit ihrem Blut retten wollen, auch in dieser schwierigen Zeit von Corona.

Dafür kann ich gar nicht genug danken.

Im Herbst 2017 erhielt ich die Diagnose „beginnende MDS“. Zum Arzt war ich gegangen, weil ich schneller müde und erschöpft war, als ich es von mir kannte. Beim Treppensteigen kam ich schneller aus der Puste. Um irgendetwas anzufangen fehlte mir oft der nötige Antrieb. Appetitlosigkeit kam ebenfalls dazu. Das heißt, ich fühlte mich total unwohl.

Grund: Mein Knochenmark war erkrankt und produzierte nicht mehr genügend rote Blutkörperchen, die u.a. den Sauerstoff im Körper transportieren.

Nach der ersten Diagnose musste ich alle drei Monate zur Blutabnahme, um den Hämaglobin (HB)-Wert zu kontrollieren. Im Sommer 2019 war er so niedrig, dass eine Knochenmarkpunktion durchgeführt wurde. Diagnose: Myelodysplastisches Syndrom (MDS) mit Anämie (Blutarmut). Kurz darauf erhielt ich meine erste Bluttransfusion. Die Ursache für diese chronische Erkrankung ist noch nicht erforscht, bis heute gibt es nur Vermutungen.

Warum hat das so lange gedauert von Herbst 2017 (HB 9,4) bis Sommer 2019 (HB 6,0)? Der Organismus einer Frau kommt durch die monatliche Regelblutung und dem damit verbundenen Blutverlust ganz gut klar und kann den niedrigen HB-Wert lange Zeit kompensieren.

In der Regel geht es mir nach der Transfusion von 2 Blutbeuteln  (je ca. 400 ml) 4 Wochen lang gut. Manchmal gibt es nur 1 Beutel, weil nicht mehr da ist, dann muss ich nach 2 Wochen wieder in die Klinik.

Mein HB-Wert lag im letzten halben Jahr zwischen 5,8 und 6,4. Der alters- und geschlechtsspezifische Referenzbereich liegt zwischen 11,8 bis 15,8. Pro Beutel erhöht sich mein HB-Wert um ca. 1,5.

Bekomme ich 1 Beutel Blut dauert die Sitzung ca. 2 ½ Stunden, sind es 2 Beutel Blut kann es 3 ½ bis 4 Stunden dauern. Der Grund für die Anzahl der Stunden ist die Kochsalzlösung. Je nachdem bekomme ich 1 oder 2 Beutel mit entweder 200 ml oder 400 ml. Grund ist der Port, den ich mir im Spätherbst 2019 habe implantieren lassen. So muss nicht immer die Vene angestochen werden, d.h. einmal zur Blutabnahme, um den HB-Wert zu ermitteln und am nächsten Tag zur Bluttransfusion. Dieser Port muss vor der Blutübertragung und danach mit einer Kochsalzlösung durchgespült werden.

Bei der Blutabnahme werden zusätzlich zwei Röhrchen Blut abgenommen, um mein Blut mit dem in Frage kommenden Spenderblut zu kreuzen. Wohl habe ich die bei uns in Deutschland weit verbreitete Blutgruppe A mit dem Rhesusfaktor Positiv, ich kann aber auch die Blutgruppen A Negativ, 0 mit dem Rhesusfaktor Positiv und 0 Negativ erhalten. Wichtig sind dann noch die Antikörper, die mein Blut mit der Häufigkeit der Blutübertragungen entwickelt.

Nach Erhalt des Blutes geht es mir schnell besser. Der Kopfdruck sowie das Rauschen und Pochen in den Ohren, warum ich Nächte davor nicht ein- und durchschlafen konnte, hört sofort auf. Die Schlappheit weicht und die Energie kommt zurück.

Den Spenderinnen und Spendern dieses Blutes bin ich unendlich dankbar dafür.

Blut ist das einzige Mittel, was mich am Leben erhält. Ohne läge ich bereits seit Sommer 2019 unter der Erde. Es ist wie ein Medikament, welches auch schwere Nebenwirkungen während und sogar noch Tage nach der Transfusion verursachen kann. So konnte ich es auf dem Aufklärungsbogen lesen, den ich vor der ersten Blutübertragung unterschreiben und damit mit Einverständnis erklären musste.

Die Labore untersuchen das Spenderblut sehr genau, sodass eine Übertragung von Krankheiten wie Hepatitis und AIDS heute so gut wie ausgeschlossen sind. Trotz alledem bleibt mir nichts anderes übrig. Wenn man weiterleben möchte, dann muss man das Restrisiko, dass doch etwas passieren kann, eingehen. Das ist wie mit allen anderen Medikamenten auch.

Wie lange ich mit dieser unheilbaren Krankheit leben kann, weiß ich nicht, weiß keiner. Ich bin aber froh über jeden Tag, den ich noch erlebe. Das geht nicht nur mir so, sondern auch meine zwei- und vierbeinigen Familienangehörigen.

In der Klinik, heißt es, gibt es eine Patientin mit der gleichen Erkrankung, die seit ca. 20 Jahren regelmäßig Blut erhält. Das zu wissen gibt mir sehr viel Zuversicht.

Damit ein letztes Mal an die Blutspenderinnen und Blutspendern: Vielen, vielen herzlichen Dank!

Machen Sie weiter so, wenn es Ihnen möglich ist. Sie und Ihr kostbares Blut werden gebraucht!