Das kleine g mit großer Wirkung: Warum der DRK-Blutspendedienst West als gGmbH arbeitet und was das für die Blutversorgung bedeutet
Das kleine „g“ wird oft übersehen. Dabei macht es einen entscheidenden Unterschied. Aus einer GmbH wird mit ihm eine gGmbH – eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Für den DRK-Blutspendedienst West ist dieses kleine g kein formaler Zusatz, sondern Ausdruck eines klaren Auftrags: Blutversorgung für das Gemeinwohl.
Doch was bedeutet Gemeinnützigkeit im Blutspendewesen konkret? Warum spielt Geld trotzdem eine Rolle? Und wie passt wirtschaftliches Handeln mit den Werten des Deutschen Roten Kreuzes zusammen?
Gemeinnützigkeit als Auftrag – seit über 75 Jahren
Das Deutsches Rotes Kreuz arbeitet seit seiner Gründung im Jahr 1863 im Zeichen der Menschlichkeit. Dieser Grundsatz prägt auch die Arbeit des DRK-Blutspendedienstes West, der seit den 1950er-Jahren im Auftrag der Landesregierungen die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit Blutpräparaten versorgt.
Gemeinnützig zu arbeiten heißt dabei nicht, ohne Kosten zu handeln. Es heißt vielmehr, dass alles Handeln einem Zweck dient: der sicheren, kontinuierlichen und qualitativ hochwertigen Versorgung von Patientinnen und Patienten. Gewinne für private Eigentümer oder Anteilseigner sind ausgeschlossen. Jeder Euro wird dem System Blutversorgung wieder zugeführt.
Versorgungsorientiert statt gewinnorientiert
Der DRK-Blutspendedienst West arbeitet versorgungsorientiert. Das bedeutet:
Wir richten unser Handeln konsequent an dem medizinischen Bedarf der Krankenhäuser aus – nicht an Absatzmengen oder Gewinnerwartungen.
Blutpräparate dürfen nur so viel kosten, wie für ihre Herstellung, Prüfung, Lagerung und Verteilung notwendig ist. Gesetzlich ist festgelegt, dass gemeinnützige Blutspendedienste kostendeckend wirtschaften müssen. Mehr nicht – aber auch nicht weniger.
Diese Form der Finanzierung stellt sicher, dass:
- die Versorgung unabhängig von wirtschaftlichen Interessen bleibt
- medizinische Qualität an erster Stelle steht
- Blut kein Handelsgut wird
Was kostet eine Blutkonserve – und warum?
Der Preis einer Blutkonserve ist kein Marktpreis. Er bildet den tatsächlichen Aufwand ab, der erforderlich ist, um Blut sicher vom Spender zum Patienten zu bringen. Dazu gehören unter anderem:
- Information und Gewinnung von Blutspenderinnen und Blutspendern
- Organisation und Durchführung von Blutspendeterminen
- medizinische Betreuung während der Spende
- umfangreiche Laboruntersuchungen und Sicherheitsprüfungen
- Verarbeitung zu unterschiedlichen Blutpräparaten
- Lagerung, Logistik und Auslieferung an die Kliniken
- Qualitätssicherung, Dokumentation und behördliche Auflagen
Hinzu kommen Investitionen, ohne die moderne Medizin nicht möglich wäre: neue Analysegeräte, IT-Systeme, Spezialfahrzeuge oder die Ausstattung von Arbeitsplätzen.
Entsteht am Jahresende ein positives Ergebnis, wird dieses nicht ausgeschüttet, sondern vollständig reinvestiert – zum Beispiel in modernere Diagnostik oder effizientere Abläufe. Das dient direkt der Versorgungssicherheit.
Warum spielt Geld im Blutspendewesen überhaupt eine Rolle?
Der DRK-Blutspendedienst West ist ein eigenständiges Unternehmen. Er erhält:
- keine staatlichen Zuschüsse
- keine Mittel aus Geldspenden an das DRK
- keine laufende öffentliche Finanzierung
Gleichzeitig stellt er an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, die Blutversorgung für Kliniken sicher. Der personelle, medizinische und logistische Aufwand dafür ist enorm. Hunderte haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende sind täglich im Einsatz, um Blutspenden möglich zu machen.
Dass dabei Kosten entstehen, ist unvermeidlich. Dank des Engagements tausender ehrenamtlicher Rotkreuzhelferinnen und -helfer bleiben diese Kosten jedoch vergleichsweise niedrig. Im europäischen Vergleich zählen die Preise für Blutpräparate in Deutschland zu den niedrigsten.
Freiwillige und unentgeltliche Blutspende – eine bewusste Entscheidung
Eine Frage wird besonders häufig gestellt: Warum erhalten Blutspenderinnen und Blutspender kein Geld?
Die Antwort ist eindeutig: Weil Blut keine Ware sein darf. Der DRK-Blutspendedienst West setzt seit über sechs Jahrzehnten auf die freiwillige, unentgeltliche Blutspende. Dieses Prinzip ist international anerkannt und ethisch begründet.
Der Ethische Kodex zur Blutspende der Internationalen Rotkreuz-Konferenz von 1981, ebenso wie die Positionen der Weltgesundheitsorganisation und des Europarates, sprechen sich klar dafür aus. Medizinische Sicherheit, ethische Verantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhalt stehen im Vordergrund.
Transparenz und Kontrolle
Gemeinnützigkeit verpflichtet zu Offenheit. Deshalb veröffentlicht der DRK-Blutspendedienst West seine Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger. Zusätzlich unterliegt er der regelmäßigen Kontrolle durch Aufsichts- und Prüfbehörden.
Transparenz ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung für Vertrauen – bei Spenderinnen und Spendern, bei Kliniken und in der Öffentlichkeit.
Fazit: Das kleine g macht den großen Unterschied
Das kleine g in gGmbH steht für ein großes Versprechen:
Jede Blutspende, jeder Arbeitsschritt und jeder Euro dient dem Gemeinwohl. Gemeinnützigkeit bedeutet Verantwortung – gegenüber den Menschen, die Blut spenden, und gegenüber denen, die darauf angewiesen sind.
FAQ – Häufige Fragen zur Gemeinnützigkeit und Finanzierung der Blutspende
Was bedeutet gGmbH konkret?
Eine gGmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft. Sie darf keine Gewinne ausschütten. Überschüsse müssen vollständig in den gemeinnützigen Zweck reinvestiert werden.
Verdient der Blutspendedienst an Blutkonserven?
Nein. Die Preise decken ausschließlich die tatsächlichen Kosten der Herstellung, Prüfung und Bereitstellung ab.
Warum erhält der Blutspendedienst keine staatlichen Mittel?
Die Blutversorgung in Deutschland ist bewusst unabhängig organisiert. Die Finanzierung erfolgt über die Abgabe von Blutpräparaten an Kliniken.
Warum bekommen Blutspender kein Geld?
Aus ethischen, medizinischen und gesellschaftlichen Gründen. Blut soll freiwillig und unentgeltlich gespendet werden und keine Handelsware sein.
Was passiert mit einem möglichen Überschuss?
Er wird vollständig in Technik, Qualität, Infrastruktur und Versorgungssicherheit investiert.
Wer kontrolliert den Umgang mit Geld?
Aufsichtsbehörden und unabhängige Prüfstellen kontrollieren regelmäßig die wirtschaftliche und gemeinnützige Tätigkeit.
Warum ist Gemeinnützigkeit im Blutspendewesen so wichtig?
Sie stellt sicher, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten immer Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen hat.


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