Besonderheiten aus Asien: Blutgruppe Bombay und cis-AB
Es gibt zahlreiche Blutgruppensysteme (AB0, Kell, Rhesus, …) mit sehr vielen Eigenheiten und Untergruppen. Das AB0-Blutgruppensystem mit den vier Blutgruppen A, B, AB und 0 ist uns sehr vertraut und klar. Aber auch dabei gibt es Besonderheiten.
Zum einen in der Häufigkeitsverteilung der Blutgruppen. In manchen Gegenden kommt die Blutgruppe B viel häufiger vor als in Deutschland. Andererseits haben zum Beispiel in Südkorea nur 27,5 Prozent der Einwohner die universellere Blutgruppe 0, im Vergleich zu 41 Prozent in Deutschland.
Aber nicht nur die Blutgruppenhäufigkeiten, sondern auch die Blutgruppenmerkmale selbst können anders sein. Zum Beispiel die Blutgruppe Bombay, deren Ausprägung noch vor dem AB0-System mit dem H-Antigen beginnt. Das H-Antigen ist wie ein Gerüst, auf dem die A- und B-Antigene aufgebaut werden. Ein Mensch mit der Blutgruppe 0 hat weder A- noch B-Antigene, aber auf jeden Fall das H-Antigen. Bei der Blutgruppe Bombay aber fehlt dieses H-Antigen. In Teilen Asiens (zum Beispiel in Indien) kommt diese Konstellation deutlich häufiger vor als in anderen Teilen der Welt.
In Europa ist sie mit etwa 1 zu 1.000.000 extrem selten. In Indien (insbesondere in der Region um Mumbai/Bombay, wo sie 1952 entdeckt wurde) liegt die Häufigkeit bei etwa 1 zu 10.000. Bei Bluttransfusionen wird das zum Problem, weil Patienten mit Bombay-Blut ausschließlich Bombay-Blut vertragen.
Vor allem in Korea gibt es die Blutgruppe cis-AB (allerdings auch dort nur bei 0,034 Prozent der Koreanerinnen und Koreaner). Wir kennen die Blutgruppe AB als Kombination von zwei Genvarianten (Allelen): ein Allel, das die Bildung von A-Merkmalen kodiert und ein Allel, das die B-Merkmale kodiert. Jemand mit der Blutgruppe hat das eine vom Vater und das andere von der Mutter geerbt. Beim cis-AB liegen die Eigenschaften für A und B hingegen auf einem einzigen Allel, dass sowohl die Ausbildung von A- als auch B-Eigenschaften ermöglicht. Das führt zu Abweichungen von normalen Vererbungsregeln im Blutgruppenstammbaum der Familie, ist aber in der Regel bei der Blutspende und auch bei Bluttransfusionen unproblematisch.
Die Ursachen der regional unterschiedlichen Blutgruppenverteilungen auf der Welt hat mehrere Gründe. Zum einen geben bestimmte Blutgruppen besseren Schutz gegen historische Krankheiten wie unter anderem Malaria, Cholera oder Pest. Zum anderen kam es bei der Ausbreitung der Menschheit gelegentlich durch kleine Gründerpopulationen in bestimmten Gegenden zu sogenannten Gründereffekten, die eine Blutgruppe in höheren Frequenzen ausbildete als in anderen Populationen.
Auch kam es im Verlauf der Menschheitsgeschichte zur Ausbildung neuer Blutgruppeneigenschaften in einer Region. Durch Migration vermischen sich diese Eigenschaften nur langsam in andere Populationen. Ein Beispiel: Die Blutgruppeneigenschaft RhD negativ ist vermutlich in Europa entstanden und kommt bei 15 Prozent der hiesigen Bevölkerung vor. In ostasiatischen Populationen ist sie nur unter einem Prozent vertreten. Ohne ausreichend Blutspender in der dortigen Bevölkerung mit Rhesus negativem Blut wird es umso schwieriger, wenn ein Patient, zum Beispiel im Urlaub in Asien doch ein Anti-D hat und dringend Blut braucht.
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