11.12.2025

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Warum wir keine Bezahlung leisten

Das ethische und rechtliche Fundament der Blutspende

Viele Menschen fragen uns, weshalb es beim DRK für die Vollblutspende keine Bezahlung gibt. Die Frage ist berechtigt und sie lässt sich klar beantworten: Nach deutschem Recht darf es für eine Blutspende keine Bezahlung, sondern lediglich eine angemessene Aufwandsentschädigung geben. Der Unterschied liegt in der Höhe und in der rechtlichen Bewertung: Eine Aufwandsentschädigung darf tatsächliche Aufwendungen ausgleichen, stellt aber ausdrücklich keine Vergütung der Spendeleistung dar.

Gleichzeitig ist wichtig zu verstehen: Eine Blutspende gegen Aufwandsentschädigung wäre keine Lösung für strukturelle Aufkommensprobleme. Denn auch Einrichtungen, die solche Entschädigungen anbieten, etwa in der Plasmapherese, stehen zu den gleichen Tages- und Ferienzeiten vor denselben Herausforderungen wie wir: schwankende Spendenbereitschaft in einem engen Zeitfenster, gesellschaftliche Veränderungen und regionale Unterschiede im Spendeverhalten. Eine finanzielle Komponente führt also nicht automatisch zu mehr Spenden, sondern verschiebt Nachfrage und Angebot lediglich innerhalb derselben Rahmenbedingungen.

Unser Auftrag: flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten

Das DRK übernimmt eine zentrale Aufgabe in der öffentlichen Daseinsvorsorge. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, führen wir jährlich rund 12.000 Blutspendetermine durch – und das nicht nur in Städten und Ballungsräumen, sondern bis in kleinste Gemeinden und nahezu jedes Dorf. Dieser hohe logistische, personelle und technische Aufwand ist notwendig, damit Patientinnen und Patienten jederzeit versorgt werden können.

Die Entgelte, die Kliniken zahlen, decken ausschließlich die realen Prozesskosten: Entnahme, Transport, Aufbereitung, Laboranalytik, Lagerung sowie umfassende Qualitätssicherung. Wir arbeiten als gemeinnützige Einrichtung: Es gibt keine Gewinnausschüttung; sämtliche Mittel fließen vollständig in die kontinuierliche Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Versorgung zurück.

Freiwilligkeit, Gemeinnützigkeit und Transparenz sind die Grundlagen eines verlässlichen Blutversorgungssystems – und sie sichern langfristig die Stabilität, auf die Patientinnen und Patienten angewiesen sind.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Erhalte ich wirklich kein Geld für meine Vollblutspende?
Für Vollblutspenden wird keine Bezahlung geleistet. Eine Aufwandsentschädigung wäre rechtlich möglich, aber sie darf nicht die Grenze zur Vergütung überschreiten. Das DRK verzichtet bewusst auf Zahlungen, um das etablierte System der freiwilligen, gemeinnützigen Blutspende zu erhalten.

Warum leisten manche Einrichtungen eine Aufwandsentschädigung?
Insbesondere in der Plasmapherese können private Anbieter höhere Pauschalen zahlen, da Plasma häufiger gespendet werden kann und der zeitliche Aufwand größer ist. Diese Leistungen stellen jedoch eine Aufwandsentschädigung, keine Bezahlung der Spende dar. Auch diese Institutionen stehen jedoch vor denselben Aufkommensschwankungen wie das DRK – die Entschädigung löst die strukturellen Herausforderungen nicht.

Sind Blutprodukte für Patienten kostenlos?
Nein. Kliniken zahlen für Blutprodukte ein kostendeckendes Entgelt. Dieses umfasst ausschließlich die aufwendigen medizinischen, technischen und logistischen Prozesse der Herstellung und Bereitstellung – nicht jedoch eine Vergütung der Spenderinnen und Spender.

Kommentare

Bei mir sind noch ein paar Fragen offen: 

Wird aufgrund der laut Transfusionsgesetz möglichen Aufwandsentschädigung wenigstens in Erwägung gezogen den Spendern Fahrtkosten zu erstatten? In kleinen Orten wo es sich nicht mehr lohnt werden Termine nicht mehr angeboten, teilweise statt dessen Hotspots in Städten. Die Anfahrtswege werden also immer länger. "...nahezu jedes Dorf..." ist mit Verlaub unwahr!

Wer hat diesen "Auftrag", der von den Blutspendediensten immer wieder betont erwähnt wird, erteilt und wann? 

Warum ist die Wertschätzung der Blutspendedienste bei den Ehrungen so extrem unterschiedlich? Die Bandbreite geht von Empfängen mit Menü und Konzert bis hin zu Totalausfällen. Manche werden erst nach zwei Jahren geehrt, manche sofort usw. (siehe Spenderbeiträge im Blutspendeforum) Und bitte nicht wieder das DRK-Ehrenamt oder andere vorschieben. SIE bekommen das Blut und sind unser Ansprechpartner. 

Seit einiger Zeit weisen die Blutspendedienste darauf hin, dass man VOR der Spende essen soll. Ich spende seit 30 Jahren. Früher wurde nur gefragt, ob man ausreichend getrunken hat. Ich würde daher gerne VOR der Spende am Imbiss teilnehmen. Es wird ja eh angeboten. Doch überall wurde es mir untersagt. Warum? 

Laut ADAC-Umfrage finden Spender folgende Anreize attraktiv um die Spendebereitschaft zu erhöhen: u.a. Info wenn Spende verwendet (62%), Eintrittskarten für Kultur, Sport, Freizeit (57%), Punktekonto (50%) usw. Das sind zeitgemäße und attraktive Dinge die den DRK-Altruismus nicht berühren und im Vereinswesen weit verbreitet sind. In vielen Nachbarländern wird es teilweise lange schon praktiziert. Warum setzt man das nicht um? Das ist doch quasi ein "Auftrag" der Spender. 

Warum setzen die Blutspendedienste u.a. auf Social Media (West Instagram nur 4.700 Follower) und nicht auf persönliche Ansprache? Wenn Sie alle Spender anrufen die seit Jahren nicht mehr zu Ihnen kommen, würden Sie wissen "wo der Schuh drückt". Sie müssen auch zwingend die Erstspender befragen, wie sie auf Sie Aufmerksam geworden sind. Das ist total wichtig und wird unterlassen. 

Warum gibt es keinen Spender-Beirat oder andere Konzepte um die Gemeinschaft der Spender einzubinden? Wir sind ein wichtiger Teil dieser ganzen Sache, dürfen aber nur spenden und wieder gehen. 

Das Thema Mettbrötchen spreche ich lieber nicht an... ;-)   Es sind aber sonst ernst gemeinte Fragen. Bitte fassen Sie es nicht als Kritik auf! Ich freue mich auf diese Antworten. Themen, die sonst nicht thematisiert werden. 

Vielen Dank für den ausführlichen und sachlich formulierten Kommentar. Die angesprochenen Themen greifen zentrale Aspekte der Blutspendearbeit auf, mit denen wir uns auch intern kontinuierlich befassen. Gern einige Einordnungen aus Sicht des DRK-Blutspendedienstes West:

Fahrtkosten / Aufwandsentschädigung
Das Transfusionsgesetz erlaubt lediglich eine pauschale Aufwandsentschädigung, keine individuelle Kostenerstattung. Eine Erstattung von Fahrtkosten – insbesondere gestaffelt nach Entfernung – würde diesen Rahmen rechtlich wie organisatorisch überschreiten und zudem das Prinzip der freiwilligen, unentgeltlichen Blutspende berühren. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass sich Anfahrtswege regional verlängert haben. Die Standortplanung erfolgt auf Basis von Spendenaufkommen, Verfügbarkeit geeigneter Räumlichkeiten und Wirtschaftlichkeit, um die Versorgung insgesamt sicherzustellen. Zudem zeichnet sich ja insbesondere die Arbeit der DRK-Blutspendedienste dadurch aus, dass sie eine Versorgungssicherung dadurch gewährleisten, indem Blutspendetermine lokal vor Ort angeboten werden. Alleine der DRK-Blutspendedienst West bietet jährlich rund 12.000 Termine vor Ort an. Wir können jedoch nicht in jedem Ort auftauchen. 

„Nahezu jedes Dorf“
Der Begriff beschreibt kein flächendeckendes Angebot im wörtlichen Sinn, sondern den Anspruch, Blutspenden möglichst wohnortnah anzubieten. Demografische Veränderungen, sinkende Spenderzahlen und höhere logistische Anforderungen führen dazu, dass kleinere Termine teils nicht mehr tragfähig sind. Das ist eine Entwicklung, die wir selbst kritisch sehen, der wir uns aber stellen müssen.

Der häufig zitierte „Auftrag“
Unser Auftrag ergibt sich aus dem gesetzlichen Sicherstellungsauftrag nach Transfusionsgesetz in Verbindung mit den Strukturen des DRK als Teil der kritischen Infrastruktur. Er ist kein abstraktes Narrativ, sondern Grundlage dafür, die kontinuierliche Versorgung von Krankenhäusern mit Blutpräparaten sicherzustellen – unabhängig von saisonalen Schwankungen oder regionalen Unterschieden.

Unterschiedliche Ehrungen
Die Unterschiede, die Sie beschreiben, sind real. Ehrungen werden in einem komplexen Zusammenspiel aus Blutspendedienst, Ehrenamt und lokalen Gegebenheiten umgesetzt. Das erklärt die Unterschiede. Aber wir sind ehrlich - Sie haben völlig recht - wir arbeiten aktuell daran, Prozesse verbindlicher und verlässlicher zu gestalten. Der Hinweis ist angekommen.

Essen vor der Spende / Imbiss
Die Empfehlung, nicht nüchtern zur Blutspende zu kommen, basiert auf medizinischen Erkenntnissen zur besseren Kreislaufstabilität. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass unmittelbar vor der Spende gegessen werden muss, sondern dass der Körper insgesamt ausreichend versorgt ist. Der Imbiss ist organisatorisch und hygienisch bewusst als Angebot nach der Spende vorgesehen. Zudem ermöglicht er, Spenderinnen und Spender nach der Blutspende noch eine gewisse Zeit vor Ort zu halten, um ihr Wohlbefinden zu beobachten und bei Bedarf reagieren zu können.

Anreize und internationale Modelle
Die genannte Studie ist uns bekannt. Viele der vorgeschlagenen Instrumente bewegen sich jedoch rechtlich oder ethisch in Grauzonen, insbesondere im Kontext der unentgeltlichen Blutspende. Formen der Anerkennung wie Verlosungen, Aktionen mit Partnern aus Sport, Kultur oder Freizeit sowie regionale Sonderaktionen werden in vielen Fällen bereits realisiert. 

Social Media vs. persönliche Ansprache
Social Media Kanäle sind immer ergänzende Kommunikationsmittel. Der Blutspendedienst West ist auf Facebook (51.000 Follower), Instagram (4700 Follower), TikTok (6.000 Follower) und LinkedIn (1.300 Follwer) aktiv. Eine individuelle telefonische Kontaktaufnahme mit allen Spenderinnen und Spendern, die seit längerer Zeit nicht mehr gespendet haben, ist bei mehreren hunderttausend Datensätzen weder datenschutzrechtlich zulässig noch personell realistisch. Persönliche Ansprache erfolgt daher vor allem über Einladungen zu Terminen, Informationsmaterialien sowie über die direkte Kommunikation auf den Blutspendeterminen selbst. Befragungen von Erstspenderinnen und Erstspendern finden statt, etwa im Rahmen von Aktionen, Online-Formaten oder wissenschaftlich begleiteten Erhebungen. Sie erfolgen jedoch nicht flächendeckend und nicht in der von Ihnen beschriebenen, individuellen Tiefe. Die Frage, wie Menschen auf die Blutspende aufmerksam werden und was sie langfristig bindet, ist für uns dennoch ein zentrales Thema, das kontinuierlich ausgewertet und weiterentwickelt wird.

Spender-Beirat / Einbindung
Der Wunsch nach stärkerer Einbindung ist nachvollziehbar. Formale Beiratsmodelle sind bislang nicht etabliert, unter anderem wegen regionaler Zuständigkeiten und der heterogenen Spenderstruktur. Der Gedanke, Spenderperspektiven strukturierter einzubinden, wird jedoch zunehmend relevanter. Und Ihren Hinweis werden wir weitergeben. 

Und ja: Das Thema Mettbrötchen begleitet uns seit Jahren – auch intern.

Danke für die offenen Fragen. Sie sind keineswegs „ungelegen“, sondern benennen genau die Spannungsfelder, in denen sich Blutspendedienste heute bewegen.

Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben zu antworten! Einiges leuchtet mir ein. Ich bin gespannt, welche zeitgemäße Lösungen finden werden. Es ist schon jetzt eigentlich zu spät und wird sich noch auch hinziehen solange man an jahrzehntealte Strukturen festhält. Aber gut, was wissen wir Spender schon...

Sorry, und das muss jetzt noch sein, und lesen Sie es bitte mit einem wohlwollend-lachendem Auge. Das Mettbrötchen: Einer Ihrer Ärzte sagte mir, das Verbot läge an der Verbreitung von Hepatitis E durch ebendiese beliebte Westfälische Spezialität. Das heißt also NACH der Blutspende verboten. DAVOR darf ich aber so viel davon essen wie ich will??? Es wird im Fragebogen nicht danach gefragt. Auch die Richtlinien von Ärztekammer und Paul-Ehrlich-Institut sagen nichts dazu. Schade, dass Sie sich nun ausgerechnet an dieser jahrzehntealte Tradition eigenmächtig "vergreifen" ohne vorher die Spender zu fragen. Ich bringe mir bei der nächsten Spende einfach zwei Mettbrötchen mit. Mit viel Zwiebeln. Eins esse ich vor der Spende, das andere danach. Zack-Bumm-Bonjour!

P.S.: Bei mir steht bald die hundertste Spende an. Wenn diese, wie die 75. Spende, auch wieder vergessen wird, hören Sie ganz bestimmt wieder von mir. 

Und sich dann wundern, warum keiner mehr spenden geht. 20 Euro pro Spende würde euch sicher nicht umbringen, aber ganz sicher wieder viele Leute zum spenden ermutigen. 

Ganz so einfach ist es nicht. Das Rote Kreuz steht aus ethischen Gründen für die freiwillige, unentgeltliche Blutspende. Für das vergangene Jahr bilanziert unsere Statistik 353.155 Personen, die in NRW, Rheinland-Pfalz und im Saarland mindestens ein Mal Blut gespendet haben. Dass „keiner mehr spenden geht“, stimmt also nicht.

Und es ist tatsächlich wie oben beschrieben: Eine Blutspende gegen Aufwandsentschädigung wäre keine Lösung für strukturelle Aufkommensprobleme. Denn auch Einrichtungen, die solche Entschädigungen anbieten, etwa in der Plasmapherese, stehen zu bestimmten Zeiten (Ferien, Feiertage, Grippewelle, …) vor denselben Herausforderungen wie wir. 
Für uns ist es wichtig, Menschen von der lebensrettenden Bedeutung einer Blutspende zu überzeugen und sie zur Blutspende zu motivieren, weil sie anderen helfen möchten.

Na wenn doch alles so super ist,  warum jammert ihr dann laufend? Früher oder später sterben euch eure Spender weg und es kommt nicht mehr viel nach, da man niemandem logisch erklären kann, warum ihr einen Millionenumsatz macht, aber es nicht mal für eine popelige Aufwanddentschädigung reicht. Aber gut, ist euer Bier. 

Mehrere Aussagen hier sind schlicht falsch und verzerren die Realität.

1. „Millionenumsatz“ ist kein Gewinn.

Der DRK-Blutspendedienst ist gemeinnützig. Einnahmen decken Kosten für Medizin, Personal, Labore, Transport, Tests, Qualitätssicherung und Notfallvorsorge. Es gibt keine Ausschüttungen, keine Investoren, kein Geschäftsmodell „auf Kosten der Spender“.

2. Unentgeltliche Blutspende ist kein Vorwand, sondern ethischer Standard.

WHO, EU und Europarat empfehlen ausdrücklich die freiwillige, unbezahlte Spende – aus gutem Grund: Sie erhöht Sicherheit und Vertrauen. Daran halten wir uns bewusst.

3. Geld würde das Problem nicht lösen.

Auch Anbieter mit Bezahlung kämpfen mit Spendenrückgängen – besonders in Ferienzeiten, bei Grippewellen und durch den demografischen Wandel. Die Vorstellung „20 Euro und alles ist gelöst“ ist nachweislich falsch.

4. Blutversorgung ist kein Marketingthema, sondern eine reale Verantwortung.

Wenn wir zu Blutspenden aufrufen, dann weil Kliniken das Blut brauchen – täglich. Nicht, um Stimmung zu machen.

Kritische Fragen sind legitim. Pauschale Unterstellungen und falsche Behauptungen hingegen nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan David Küpper
Leiter Kommunikation 

Herr Küppers, welche konkreten Strategien Sie verfolgen Sie, um in Zukunft ausreichend Blutspender zu gewinnen und langfristig zu binden und wie dabei die bestehenden und selbst gesetzten Leitlinien eingehalten werden sollen? Die Zahl der Spendenaufrufe nimmt spürbar zu. Gründe wie Erkältungswellen, Ferienzeiten oder Karneval spielen dabei sicher eine Rolle, erklären die Entwicklung aus meiner Sicht aber nur teilweise. Dass strukturelle, demografische und organisatorische Herausforderungen seit Jahren bekannt sind, wissen Sie selbst. Ich habe Verständnis dafür, dass Sie an bestehenden Strukturen, Vorgaben und eigenen Standards festhalten wollen/müssen. Kurzfristige Appelle werden künftig aber nicht mehr ausreichen. Ich finde den Gedanken, Spender stärker einzubinden, sehr sinnvoll und sogar wichtig, da vor allem die Spender im Mittelpunkt stehen sollten. Aber nur „Weitergeben“? Meine persönlichen Wahrnehmungen der letzten Jahre sind, dass organisatorische Aspekte – etwa knappe personelle Besetzung vor Ort, reduzierte Liegenzahlen, längere Wartezeiten, weitere Anfahrtswege, fehlendes Ehrenamt, ausgefallene Ehrungen usw. – hingenommen werden, obwohl sie bekannt sind. Das Spenden selbst wirkt dadurch oft nur noch hektisch und wenig wertschätzend. Für mich fühlt es sich seit einiger Zeit eher nach „spenden und wieder gehen“ an, statt nach einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Dienst und Spendern. Dass das alles kein Marketingthema sein soll finde katastrophal und sogar fahrlässig. Meine 100. Blutspende liegt übrigens inzwischen fast ein Jahr zurück, eine Ehrung gab es nie. Das mögen Details sein, passt für mich aber leider ins Gesamtbild. Frei nach Ihrer Kampagne: „Wenn’s fehlt, fällt’s auf.“ P.S.: Ich will kein Geld für die Spende. Ich will keinen roten Teppich. Ich will wieder gerne zur Blutspende gehen und, wenn das nötig sein sollte, auch Blut bekommen. Ich bin gespannt. Der Verzehr von rohem Schweinefleisch lehne ich übrigens auch ab. Glück auf! 

Hallo Heiner,

vielen Dank für Ihre offene und ausführliche Rückmeldung. Sie benennen viele Punkte, die wir sehr ernst nehmen – und die intern bei uns intensiv diskutiert werden.

Sie haben recht: Die Herausforderungen sind nicht neu. Demografische Entwicklungen, veränderte Lebensrealitäten, steigende Anforderungen an Qualität und Sicherheit sowie begrenzte personelle Ressourcen wirken sich spürbar auf Abläufe, Termine und das Erleben vor Ort aus. Dass dies für engagierte und langjährige Spenderinnen und Spender als Verlust an Wertschätzung wahrgenommen werden kann, ist ein klares Signal, das wir nicht ignorieren dürfen!

Unsere Arbeit konzentriert sich deshalb auf mehrere Ebenen:

  • Stabilisierung und Weiterentwicklung der Terminstrukturen, um Blutspende wieder verlässlicher planbar zu machen.
  • Verbesserung der Abläufe vor Ort, damit Wartezeiten und Hektik reduziert werden und mehr Raum für persönliche Ansprache bleibt.
  • Stärkere Einbindung und Ansprache von Spenderinnen und Spendern, nicht nur über Appelle, sondern über Beteiligung, Dialog und neue Formate.
  • Überprüfung bestehender Angebote und Standards – auch mit Blick auf Ehrungen und Anerkennungskultur.

Das ersetzt keine kurzfristigen Engpässe, aber es ist der Weg, den wir bewusst gehen, um Blutspende langfristig tragfähig zu halten. Dass dies auch kommunikativ kein Randthema ist, sondern zentral zur Zukunft der Blutspende gehört, teilen wir ausdrücklich.

Zu Ihrer persönlichen Situation: Dass Ihre 100. Spende bislang nicht gewürdigt wurde, entspricht nicht unserem Anspruch. Gerne prüfe ich das konkret, wenn Sie mir Ihre Spendendaten per Direktnachricht oder E-Mail zukommen lassen (s.kuepper@bsdwest.de), bitte unter Angabe Ihres vollen Namens + Geburtsdatum.

Ich danke Ihnen ausdrücklich für Ihr langjähriges Engagement und für die Klarheit Ihrer Worte. Genau solche Rückmeldungen helfen uns, blinde Flecken zu erkennen und Prioritäten richtig zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan David Küpper
Leiter Unternehmenskommunikation

Lieber Herr Küppers,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Der Dialog zwischen Spendern und Spendedienst ist tatsächlich wichtig – das zeigt sich auch an der lebhaften Diskussion hier. Uns bewegt dieses Thema sehr. Ich weiß zu schätzen, dass Sie dies hier öffentlich tun! 

Ich bin über 50 Jahre alt und habe über 30 Jahre lang Blut gespendet. In zehn bis zwanzig Jahren werde ich altersbedingt vermutlich selbst auf Spenderblut angewiesen sein – und genau das weckt bei mir die Sorge, dass es dann möglicherweise nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht.

Die von Ihnen aufgeführten Punkte sind "spendedienstintern" und daher nach außen nicht sichtbar. Sie wirken schrittweise nach außen und bleiben für Außenstehende schwer greifbar. Da muss wohl mehr greif- und sichtbares her. Eine ultimative Lösung kenne ich leider auch nicht – schon gar nicht eine, die ohne das Aufgeben althergebrachten Strukturen auskommt. An diesem Punkt wurde ich bei meinen Überlegungen immer gestoppt. Nach meinem Kommentar am Montag habe ich nämlich noch einmal darüber nachgedacht: Viele der Regeln, Richtlinien, Vorgaben und Gesetze wurden von Personen, Institutionen und Gremien geschaffen, die selbst keine Blutspendetermine besuchen. Ein Professor für Hämatologie etwa beschäftigt sich mit medizinischen Fragestellungen, nicht aber damit warum Spender gerne hingehen und wiederkommen sollen. Der bekannte „Gummiband-Paragraph“ im Transfusionsgesetz zur zulässigen Aufwandsentschädigung wird Ihrer Zunft noch lange auf die Füße fallen. Eine Ihrer zeitraubendsten Aufgaben wird also weiterhin sein immer wieder zu erklären, dass mit Blut zwar viel Geld erwirtschaftet wird, das Konto immer auf null bleiben muss und man kein Geld "verpulvern" oder zur Seite legen darf. Das muss man erstmal schaffen. 

Hinter meiner eigenen Ehrung laufe ich nicht hinterher. Dafür bin ich als Münsterländer und geborener Hanseat zu stolz. Ich habe auch keine eingefordert, sondern als nur ein Beispiel aufgeführt. Optimierungsmöglichkeiten könnte ich als Unternehmensberater und Anbieter von Mystery-Checks in Ihrem Fall endlos aufzählen – das würde an dieser Stelle jedoch nicht weiterhelfen.

Beste Grüße


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