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Blutgruppe Bombay

Bombay – wie klingt das für Sie? Irgendwie exotisch, kolonial, weit entfernt und doch spannend? Eine Blutgruppe fällt dazu wohl den wenigsten ein. Aber es gibt sie, die Blutgruppe Bombay. Mitte des vergangenen Jahrhunderts stieß der indische Wissenschaftler Y. M. Bhende auf auffälliges Blut bei Patienten in Bombay, dem heutigen Mumbai. Bhende hatte quasi eine fünfte Blutgruppe entdeckt. Menschen mit Bombay-Blut haben Antikörper gegen die Grundsubstanz der bislang bekannten Blutgruppen (A, B, AB und 0), sogar gegen die universell verträgliche Blutgruppe 0 negativ. Wer Bombay-Blut hat, kann nur Bombay-Blut transfundiert bekommen. Unter 300.000 Blutspendern findet man in der Regel aber nur einen mit dieser seltenen Blutgruppe. Blutspenden dieser Bombay-Blutspender werden deshalb krykonserviert, das heißt: mit hohem Aufwand bei etwa -80°C eingefroren, denn frische Blutkonserven dieses Typs wird man in kaum einem Blutdepot weltweit in ausreichender Menge finden.

In unserem Zentrum für Transfusionsmedizin (ZTM) in Hagen lagern die seltenen Blutkonserven. Einige Fragen an Dr. Robert Deitenbeck, den Ärztlichen Direktor des ZTM Hagen:

Wissen Sie, wie viele Bombay-Blutkonserven in der Regel auf Lager liegen?
Natürlich. Nach dem letzten Versorgungsfall in Herne, für den wir zwei Kryo-Erythrozytenkonzentrate verbraucht hatten, liegen im Hagener Kryo-Depot nun noch fünf Präparate für Bombay-Patienten, davon zwei in Quarantäne (sie erfüllen also aktuell noch nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Freigabebedingungen). Weitere drei haben wir für die ausschließlich autologe Verwendung; das heißt, sie können nur dem Blutspender selbst transfundiert werden. Einen ähnlichen Bestand können wir in Ulm erwarten.
Zur Zeit haben wir zu vier Blutspendern mit der Blutgruppe Bombay Kontakt.
Im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile nur noch drei Blutbanken (Hagen, Wien und Ulm), die überhaupt kryokonservieren.

Gibt es eine überregionale Zusammenarbeit der Blutspendedienste, um Patienten mit so seltenen Blutgruppen helfen zu können?
Die Blutspendedienste in Deutschland und auch international sind gut vernetzt und helfen sich im Rahmen der Möglichkeiten in solchen Fällen aus, so zum Beispiel auch bei der gegebenenfalls notwendigen Beschaffung von Kryo-Erythrozytenkonzentraten aus den Blutbanken in Amsterdam, Paris, Wien oder Bristol. 

Seit wann beschäftigt sich das DRK eigentlich mit Bombay-Patienten?
Ich kenne es nicht anders. Bombay-Fälle waren schon immer ein Problem. Wenn der Blutbedarf solcher Patienten nicht sehr hoch ist, wird man sie in der Regel aber ausreichend versorgen können, nur ist die Versorgung dann natürlich sehr aufwändig und auch teuer.
Es gibt aber auch andere seltene Blutgruppen wie Rh –D.--, Rh Null, Lan- und viele mehr. Patienten mit solchen und ähnlichen Blutgruppen zu versorgen, stellt fast immer eine nationale, zum Teil internationale Herausforderung dar. Professor Wagner aus Springe hat hierzu schon mehrfach Beiträge in der hämotherapie veröffentlicht: https://www.drk-haemotherapie.de/autoren/franz-wagner

Wissen Sie, wie viele Menschen in Deutschland diese spezielle Blutgruppe haben? Und wie viele von ihnen sind Teil des Spendernetzwerkes?
Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Bombay-Blutgruppe Wie viele Menschen tatsächlich von Ihrer Blutgruppe wissen und regelmäßig spenden, kann man nur mutmaßen. In Deutschland werden es sehr wenige sein. Die, die wir kennen, sind fast immer zuvor als Patienten in Erscheinung getreten, sind aber oft aus kulturellen, gesundheitlichen oder auch religiösen Gründen nicht bereit, Blut zu spenden.

 

Kryokonservierte Erys