09.09.2026

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Blutgruppe Bombay

Bombay – wie klingt das für dich? Irgendwie exotisch, kolonial, weit entfernt und doch spannend? Eine Blutgruppe fällt dazu wohl den wenigsten ein. Aber es gibt sie, die Blutgruppe Bombay. Mitte des vergangenen Jahrhunderts stieß der indische Wissenschaftler Y. M. Bhende auf auffälliges Blut bei Patienten in Bombay, dem heutigen Mumbai. Bhende hatte quasi eine fünfte Blutgruppe entdeckt. Menschen mit Bombay-Blut haben Antikörper gegen die Grundsubstanz der bislang bekannten Blutgruppen (A, B, AB und 0), sogar gegen die universell verträgliche Blutgruppe 0 negativ. Wer Bombay-Blut hat, kann nur Bombay-Blut transfundiert bekommen. Unter 300.000 Blutspendern findet man in der Regel aber nur einen mit dieser seltenen Blutgruppe. Blutspenden dieser Bombay-Blutspender werden deshalb krykonserviert, das heißt: mit hohem Aufwand bei etwa -80°C eingefroren, denn frische Blutkonserven dieses Typs wird man in kaum einem Blutdepot weltweit in ausreichender Menge finden.

In unserem Zentrum für Transfusionsmedizin (ZTM) in Hagen lagern die seltenen Blutkonserven. Einige Fragen an Dr. Robert Deitenbeck, den Ärztlichen Direktor des ZTM Hagen:

Wissen Sie, wie viele Bombay-Blutkonserven in der Regel auf Lager liegen? 
Natürlich. Nach dem letzten Versorgungsfall in Herne, für den wir zwei Kryo-Erythrozytenkonzentrate verbraucht hatten, liegen im Hagener Kryo-Depot nun noch fünf Präparate für Bombay-Patienten, davon zwei in Quarantäne (sie erfüllen also aktuell noch nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Freigabebedingungen). Weitere drei haben wir für die ausschließlich autologe Verwendung; das heißt, sie können nur dem Blutspender selbst transfundiert werden. Einen ähnlichen Bestand können wir in Ulm erwarten.
Zur Zeit haben wir zu vier Blutspendern mit der Blutgruppe Bombay Kontakt.
Im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile nur noch drei Blutbanken (Hagen, Wien und Ulm), die überhaupt kryokonservieren.

Gibt es eine überregionale Zusammenarbeit der Blutspendedienste, um Patienten mit so seltenen Blutgruppen helfen zu können? 
Die Blutspendedienste in Deutschland und auch international sind gut vernetzt und helfen sich im Rahmen der Möglichkeiten in solchen Fällen aus, so zum Beispiel auch bei der gegebenenfalls notwendigen Beschaffung von Kryo-Erythrozytenkonzentraten aus den Blutbanken in Amsterdam, Paris, Wien oder Bristol. 

Seit wann beschäftigt sich das DRK eigentlich mit Bombay-Patienten?
Ich kenne es nicht anders. Bombay-Fälle waren schon immer ein Problem. Wenn der Blutbedarf solcher Patienten nicht sehr hoch ist, wird man sie in der Regel aber ausreichend versorgen können, nur ist die Versorgung dann natürlich sehr aufwändig und auch teuer. 
Es gibt aber auch andere seltene Blutgruppen wie Rh –D.--, Rh Null, Lan- und viele mehr. Patienten mit solchen und ähnlichen Blutgruppen zu versorgen, stellt fast immer eine nationale, zum Teil internationale Herausforderung dar. Professor Wagner aus Springe hat hierzu schon mehrfach Beiträge in der hämotherapie veröffentlicht: https://www.drk-haemotherapie.de/autoren/franz-wagner

Weißt du, wie viele Menschen in Deutschland diese spezielle Blutgruppe haben? Und wie viele von ihnen sind Teil des Spendernetzwerkes?
Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Bombay-Blutgruppe Wie viele Menschen tatsächlich von Ihrer Blutgruppe wissen und regelmäßig spenden, kann man nur mutmaßen. In Deutschland werden es sehr wenige sein. Die, die wir kennen, sind fast immer zuvor als Patienten in Erscheinung getreten, sind aber oft aus kulturellen, gesundheitlichen oder auch religiösen Gründen nicht bereit, Blut zu spenden.

 

Kryokonservierte Erys

Kommentare

Jürgen Wenn 18.11.2024, 18:06 Uhr

Hallo,
ich habe eine Frage:
Ich habe die
Blutgruppe 0 Rh (D) neg K neg ccddee .
Könnte es mit dieser Blutformel sein, daß ich die Blutgruppe 0 Rh 0 ( Goldenes Blut ) habe ? Und wo kann man seine an die 150 Rhesusfaktoren bestimmen lassen ?
Mit freundlichem Gruß
Jürgen Wenn

Hallo Herr Wenn,

vielen Dank für Ihre Frage. Aber die Antwort lautet nein, denn mit Bombay-Blut hätten Sie nicht die Rhesusmerkmale c und e. 

Alle Rhesusmerkmale zu bestimmen, macht aus transfusionsmedizinischer Sicht keinen Sinn, da man diese bei einer Transfusion nur bei Vorhandensein bestimmter Antikörper berücksichtigen würde. Die Richtlinien Hämotherapie schreiben nur eine Bestimmung der AB0-, Rhesus-(CcDEe) und Kell-Merkmale vor. Bei der Blutgruppe 0 RhD-neg. ccddee K- sind diese Voraussetzungen erfüllt, so dass wir uns freuen, wenn wir Sie zur Blutspende begrüßen können!

Viele Grüße
Claudia Müller
DRK-Blutspendedienst West

 

Jasmin Brands 29.10.2025, 11:51 Uhr

Wo kann ich mein Blut spenden? 

 

Mit freundlichen Grüßen 

 

Jasmin Brands 

015751339315 

Hallo Frau Brands, 

vielen Dank für Ihr Interesse an einer Blutspende! Unter www.blutspende.jetzt können Sie Ihren Ort eingeben und sehen dann sofort, welche Blutspendetermine bei Ihnen in der Nähe stattfinden.

Viele Grüße
Claudia Müller
DRK-Blutspendedienst West

Sylvia Kilian 25.07.2026, 00:00 Uhr

Hallo.

Ich hab laut einer Arzthelferin "Rollvenen" ? 

Kann ich trotzdem zur Blutspende?

Wenn ich meine Pille durchweg nehme und somit keine Regelblutung habe, kann ich dann genauso oft wie ein Mann spenden?

Liebe Grüße 

Hallo Frau Kilian,

die Regel mit vier Blutspenden im Jahr gilt pauschal für alle Frauen, da der weibliche Körper meistens weniger Blut und niedrigere Hb-Werte hat und in jedem Fall der Schutz der Blutspenderin vorgeht. Einzelfallentscheidungen können und dürfen wir da leider nicht treffen.

Wir haben erfahrene Punktionskräfte, so dass das mit den Rollvenen auf jeden Fall einen Versuch wert ist. Kommen Sie gerne zu einem der nächsten Blutspendetermine!

Viele Grüße
Claudia Müller
DRK-Blutspendedienst West

Georg Sichma 22.08.2026, 09:34 Uhr

Guten Tag, 

Ich bin Hämochromatose-Patient und wurde in der Vergangenheit nicht zur Blutspende zugelassen. Nun soll es in einigen EU-Ländern hier eine Änderung geben, auf Deutschland bezogen konnte ich keine Informationen finden. Ist mittlerweile auch in Deutschland eine Blutspende möglich?

Mit freundlichen Grüßen

G. Sichma

Guten Tag Herr Sichma,

vielen Dank für Ihre Bereitschaft, Blut zu spenden! Eine Blutspende ist für Hämochromatose-Patienten grundsätzlich möglich, wenn sie einen maximal drei Monaten alten Ferritinwert mitbringen und nicht zum "therapeutischen Aderlass" kommen. 

Ich hoffe, diese Auskunft hilft Ihnen weiter.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Müller
DRK-Blutspendedienst West

Sehr geehrte Frau Müller, 

vielen Dank für Ihre Antwort. Allerdings verstehe ich den von Ihnen formulierten Unterschied zwischen Blutspende und therapeutischen Aderlass nicht. Die mich behandelnde Hämatologin würde es durchaus begrüßen, wenn meine Blutabgabe nicht entsorgt sondern genutzt werden könnte. Aktuell habe ich ca. 2 - 4 Aderlässe pro Jahr, wobei der Ferritinwert nicht über 100 µg/l steigen sollte. Die Blutkontrolle findet regelmäßig über den Hausarzt statt. 

Natürlich würden nach einer Blutspende die Zahl der Aderlässe geringer, die Kontrollen über Hämatologin und Hausarzt aber fortgesetzt werden. Die Formulierung "nicht zum "therapeutischen Aderlass" kommen" kann ich nicht wirklich einordnen. Könnten Sie dies konkreter erläutern? 

Mit freundlichen Grüßen

Georg Sichma

Sehr geehrter Herr Sichma,

die Begründung ist nicht in erster Linie medizinischer sondern formaler Art:

Wir gehen keinen Arzt/Patienten-Vertrag mit dem Spender ein (wie z. B. der Hausarzt durch Einlesen der Patientenkarte und Abrechnungsmöglichkeit mit der Krankenkasse). Wir sind also für therapeutische Maßnahmen nicht legitimiert. Eine Therapie muss im Anschluss immer vom Anordnenden auf den Therapieeffekt überprüft werden. Das können wir nicht, weil wir im Anschluss an eine Blutentnahme nicht den gesunkenen HB-Wert =Therapieerfolg überprüfen können, im schlechtesten Fall sehen wir den Spender nie  wieder.
Da wir nicht in die Patientenversorgung eingebunden sind, können wir einen Aderlass auch nicht als Serviceleistung für den Hausarzt durchführen, für solche Dinge bedarf es einer Überweisung, die für uns nicht gilt.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Müller
DRK-Blutspendedienst West


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