Blutspende nach GB-Aufenthalt möglich: "Einfach ein gutes Gefühl!"
Seit Ende vergangenen Jahres gilt eine strenge Ausschlussregel nicht mehr.
Zuvor durften diejenigen, die zwischen 1980 und 1996 länger in Großbritannien gelebt hatten oder dort geboren worden waren, nicht Blut spenden.
In den 1980er und 1990er Jahren war in Großbritannien vermehrt BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie, „Rinderwahnsinn“) aufgetreten. Da ein möglicher Zusammenhang mit einer neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (vCJK) bestand und Übertragungswege über Blut lange nicht sicher ausgeschlossen werden konnten, hatte man aus Vorsicht diese Regelung eingeführt.
Neue Daten und internationale Erfahrungen zeigen nun, dass das Risiko einer vCJK-Übertragung durch Blut mittlerweile als so gering einzuschätzen ist, dass eine pauschale Rückstellung von der Blutspende keinen Sinn mehr hat.
Wir haben Rebekka Lüder getroffen, die froh ist, jetzt Blut zu spenden zu können.
Frau Lüder, Sie haben viele Jahre in England gelebt – können Sie kurz erzählen, wann und wie lange genau?
Zunächst habe ich mit meinen Eltern und meiner Schwester von 1983 bis 1989 in Nottingham gelebt. Mein Vater war dort entsandter Pfarrer der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinden der Midlands. Anschließend habe ich von 1995 bis 1996 und von 2001 bis 2002 Teile meines juristischen Studiums in Manchester und in Norwich absolviert.
Hatten Sie sich schon früher mit dem Thema Blutspende beschäftigt oder war das für Sie bislang kein Thema?
2005 wollte ich in Hagen das erste Mal Blut spenden. Im Rahmen des Spendefragebogens habe ich erfahren, dass aufgrund meines langen Aufenthaltes in Großbritannien eine Blutspende in Deutschland damals nicht zulässig war und ich aus diesem Grunde zurückgestellt werden musste.
Wann und wie haben Sie erfahren, dass die Regelung aufgehoben wurde?
Der DRK-Blutspendedienst West hat mich Ende des vergangenen Jahres darüber informiert, dass aufgrund der aktuellen medizinischen Erkenntnisse die UK-Ausschlussregel aufgehoben worden ist. Der Blutspendedienst hat dies mit der Einladung zur Blutspende verbunden, der ich gerne und ohne zu zögern gefolgt bin.
Was hat Sie motiviert, direkt einen Blutspendetermin zu vereinbaren?
Unter anderem durch Erlebnisse im eigenen Verwandten- und Freundeskreis ist die Blutspende für mich ein wichtiger ebenso wie ein einfacher Beitrag zur Mitmenschlichkeit.
Die erste Blutspende
Wie haben Sie Ihre erste Blutspende jetzt erlebt?
Ich habe im Spendezentrum in Hagen gespendet. Dort herrscht eine moderne, ruhige und sehr einfühlsame Atmosphäre mit freundlichen und kompetenten Mitarbeitenden, in der man sich als Spender wohl und gut aufgehoben fühlt.
Was bedeutet es Ihnen persönlich, jetzt Blut spenden zu dürfen?
Ich bin dankbar, dass die Ausschlussregel jetzt gefallen ist, damit ich den Versorgungsauftrag des Deutschen Roten Kreuzes in der Blutspende mit meinem Beitrag unterstützen kann.
Appell und Vorbildfunktion
Was möchten Sie anderen Menschen sagen, die – wie Sie – früher ausgeschlossen waren?
Es ist so einfach, Blut zu spenden. Es würde mich freuen, wenn möglichst viele von denen, die so wie ich wegen ihres Aufenthaltes in Großbritannien nicht spenden durften, jetzt von der geschaffenen Möglichkeit zur Blutspende regelmäßig Gebrauch machen. Es ist einfach ein gutes Gefühl!
Welche Botschaft haben Sie für Menschen, die generell noch zögern, Blut zu spenden?
Jeder kann in seinem Leben auf eine Blutspende angewiesen sein. Blut lässt sich nicht künstlich herstellen. Also ist die Gesellschaft auf die freiwillige Blutspende möglichst vieler angewiesen. Das Deutsche Rote Kreuz geht hier seit 75 Jahren mit seinem Blutspendedienst vorbildlich voran. Das ist in jedem Fall unterstützenswert!
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