01.07.2019

Die Blutgruppen (Teil 4/4): Wie werden Blutgruppen vererbt?

Erbregeln und mögliche Blutgruppen der Kinder

Welche Blutgruppe ein Mensch hat, hängt von der Kombination der Antigen-Merkmale ab, die sich auf seinen roten Blutkörperchen finden:

  • A bedeutet, dass das Antigen A vorhanden ist. In dem Fall produziert das Immunsystem Antikörper gegen das Merkmal B, welches sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen von Menschen mit der Blutgruppe B befindet.
  • B bedeutet, dass das Antigen B vorhanden ist. In dem Fall produziert das Immunsystem  Antikörper gegen das Merkmal A, welches sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen von Menschen mit der Blutgruppe A befindet.
  • 0 bedeutet, dass weder das Antigen A noch das Antigen B vorhanden sind. In dem Fall produziert das Immunsystem  Antikörper gegen die Merkmale A und B.
  • AB bedeutet, dass beide Antigene A und B vorhanden sind. In dem Fall produziert das Immunsystem keine Antikörper gegen A und/oder B-Merkmale.

Jeder Mensch besitzt zwei Antigen-Merkmale, eines von der Mutter und eines vom Vater. Blutgruppen werden deshalb auch als reinerbig oder mischerbig bezeichnet. 

  • Beispiel: Lisa hat die Blutgruppe A. Ihre Blutgruppe ist reinerbig, d.h. sie besitzt zweimal das Merkmal A (AA). Ihr Freund Heiko hat ebenfalls die Blutgruppe A, allerdings mischerbig. Er besitzt einmal das Merkmal A und einmal das Merkmal 0 (A0).

Vererbung der AB0-Blutgruppe

Welches Merkmal wir an unsere Kinder weitervererben, entscheidet der Zufall. Da ein Mensch mit einer reinerbigen Blutgruppe zweimal das gleiche Merkmal besitzt, kann er auch nur dieses weitergeben. Ein Mensch mit einer mischerbigen Blutgruppe (z.B. A0) könnte entweder das Merkmal A weiter vererben, oder das Merkmal 0.

Die Vererbung von Blutgruppen folgt den Mendelschen Erbregeln. Die Merkmale A und B sind untereinander gleichwertig. Gegenüber dem Merkmal 0 jedoch sind sie "dominant". Ein Beispiel:

  • Beispiel 1: Lisa und Heiko erwarten ein Kind, den kleinen Thomas. Aus Ihrer reinerbigen Blutgruppe A gibt Lisa auf jeden Fall das Merkmal A an Thomas weiter. Das Schicksal entscheidet, dass Heiko das Merkmal 0 an seinen Sohn weitergibt. Da Merkmal A gegenüber Merkmal 0 dominant ist, hat Thomas später die Blutgruppe A und zwar wie sein Vater auch in mischerbiger Ausprägung.
  • Beispiel 2: Janine und Stefan erwarten ebenfalls ein Kind, die kleine Klara. Janine ist Blutgruppe B, mischerbig. Ihr Mann Stefan hat dieselbe mischerbige Blutgruppe B. Für ihre gemeinsame Tochter Klara gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, welche Blutgruppe sie später hat. Wenn nur einer ihrer Eltern ihr das Merkmal B vererbt, wird sie die Blutgruppe B haben. Wenn Janine und Stefan ihrer Tochter jedoch beide das Merkmal 0 weitergeben, wird Klara die Blutgruppe 0 haben.

Hier findest du eine Liste mit Blutgruppen der Eltern und den möglichen Blutgruppen des Kindes (Elternteil 1 + Elternteil 2 = Möglichkeit 1, Möglichkeit 2, Möglichkeit 3, Möglichkeit 4):

  • 0 + 0 = 0
  • 0 + A = 0 oder A
  • 0 + B = 0 oder B
  • 0 + AB = A oder B
  • A +  A = A oder 0
  • A + B = A oder B oder 0 oder AB
  • A + AB = A oder B oder AB
  • B + B = B oder 0
  • B + AB = A oder B oder AB
  • AB + AB = A oder B oder AB

Vererbung Rhesus-Faktor

Im Rhesus-Blutgruppensystem gibt es zahlreiche Merkmalsausprägungen und Antigene, die auf unseren roten Blutkörperchen vorkommen können. Das Merkmal D ist hierbei nur eines von vielen, bestimmt jedoch, ob ein Mensch als „Rhesus positiv“ oder „Rhesus negativ“ bezeichnet wird. Weist ein Mensch auf der Oberfläche seiner roten Blutkörperchen das Merkmal D auf, so bezeichnet man ihn als RhD positiv (= Rhesus positiv). Ist das Merkmal D hingegen nicht vorhanden, so bezeichnet man diesen Menschen als RhD negativ (= Rhesus negativ).  In der Vererbungsforschung bezeichnet man das Gen, welches das Merkmal D ausprägt, als als D-Gen. In den Fällen, in denen wegen einer sogenannten Deletion das Merkmal D nicht gebildet wird, resultiert die Blutgruppe RhD negativ („dd“). 

Wie auch beim AB0-Blutgruppensystem legen die Mendelschen Erbregeln fest, in welcher Erbfolge die Gene weitergegeben werden. Das Merkmal D  ist gegenüber dem Merkmal d (rezessiv) dominant und entscheidet so über den Rhesus-Typ. Ein Rhesus-positiver Mensch kann reinerbig sein (DD) oder mischerbig (Dd). Rhesus-negative Menschen sind  immer reinerbig (dd).

  • Rh-positiv + Rh-positiv = Rh-positiv oder Rh-negativ
  • Rh-positiv + Rh-negativ = Rh-positiv oder Rh-negativ
  • Rh-negativ + Rh-negativ = Rh-negativ
  • Beispiel 1: Lisa hat die Blutgruppe A+, sie ist also Rhesus-positiv. Ihre Genkombination ist reinerbig (DD), d.h. der kleine Thomas wird von ihr auf jeden Fall das D-Gen erben. Heikos negatives Rhesus-Merkmal (dd) spielt dabei keine Rolle mehr, da Lisas D-Gen gegenüber Heikos d-Gen dominant ist.
  • Beispiel 2: Janine und Stefan sind beide jeweils Rhesus-positiv, allerdings mischerbig (Dd, dD). Welches Rhesus-Merkmal ihre Tochter Klara haben wird, hängt davon ab, welches von ihren jeweils zwei Rhesus-Merkmalen ihre Eltern an sie weitergeben. Klara könnte sowohl Rh-positiv werden, wie auch Rh-negativ.

Rhesusformel im Blutspendeausweis

Im Blutspendeausweis ist eine erweiterte Rhesusformel, wie z. B. CcD.ee, zu finden, die weitere Merkmale  der sehr komplexen Rhesusblutgruppe (die Merkmale C,c und E,e) einbezieht. Sie können in beliebiger Kombination mit dem Rhesusmerkmal vorkommen.

Foto: AdobeStock 169706116

WÄHLE DIE BLUTGRUPPEN
DER ELTERN

MUTTER

A
AAA0
B
BBB0
AB
AB
0
00

VATER

A
AAA0
B
BBB0
AB
AB
0
00
A
AAA0
B
BBB0
AB
AB
0
00

Die Blutgruppe

ergibt sich aus den Antigen-Merkmalen entweder reinerbig oder mischerbig.
Es wird jeweils nur ein Antigen-Merkmal an die nächste Generation vererbt.

FAQ
 

Wie entscheidet sich, welche Blutgruppe ein Mensch hat?
Jeder Mensch bekommt ein Blutgruppen-Antigen-Merkmal von der Mutter und eins vom Vater. Da Mutter und Vater auch jeweils zwei Blutgruppen-Antigen-Merkmale (zwei gleiche = reinerbig, zwei unterschiedliche = mischerbig) haben, entscheidet bei einem mischerbigen Elternteil der Zufall, welches Merkmal weitervererbt wird.