Untersuchung auf Infektionskrankheiten
Nicht erst seit dem AIDS-Skandal hat sich im Bewusstsein verankert, dass mit Blutpräparaten auch Krankheiten übertragen werden können. Schon seit den ersten Blutübertragungen in der modernen Medizin stellt die durch Blutpräparate übertragene Hepatitis (infektiöse Leberentzündung oder Gelbsucht) ein großes Problem für die Mediziner dar. Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte wurden immer neue Anstrengungen unternommen, mit noch weiter verfeinerten Untersuchungsmethoden infektiöse Spenden zu erkennen und auszusortieren. Heute ist das Infektionsrisiko für den Empfänger von Blutpräparaten auf ein extrem geringes, leider noch nicht vollständig vermeidbares Restrisiko begrenzt. Es werden hochempfindliche Methoden genutzt: Antikörper- und Antigentests (Untersuchungen auf menschliche Abwehrstoffe und Eigenschaften der Krankheitserreger selbst) und die PCR (Vervielfältigung des Erbmaterials des Erregers) als Virusdirektnachweis.
Die Untersuchung auf Marker, die typisch für bestimmte, durch Blut übertragbare Infektionskrankheiten sind, gehört deshalb zu den wichtigsten Aufgaben des Zentrallabors bei der Untersuchung der täglichen Blutspenden. Die PCR wird in einem nicht zum Zentrallabor gehörenden Labor durchgeführt.
Nicht für alle durch Blut übertragbaren Krankheiten stehen Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die bei einem großen Blutspendedienst routinemäßig im verfügbaren Zeitrahmen eingesetzt werden können. So ist z.B. die Untersuchung auf Erreger der Malaria bei jedem Spender
praktisch nicht möglich, weil ein für die Untersuchung jeder Blutprobe geeigneter Test noch nicht verfügbar ist. Das ist einer der Gründe, weshalb nach wie vor die Befragung der Spender zu Krankheiten und sonstigen Risiken vor der Spende ihre Bedeutung nicht verloren hat.

Heute wird jede einzelne Blutspende auf folgende Krankheitserreger untersucht:
| Hepatitis A | PCR-Testung | |
| Hepatitis B | Antigen- + Antikörpernachweis | PCR-Testung |
| Hepatitis C | Antikörpernachweis | PCR-Testung |
| HIV 1 und 2 | Antikörpernachweis | PCR-Testung (HIV 1 und 2) |
| Parvovirus B19 | PCR-Testung | |
| Lues (Syphilis) | Antikörpernachweis | |
| Cytomegalie (CMV) | Antikörpernachweis (nur Spezialpräparate) |
Bereits im Januar 1996 hat der DRK-Blutspendedienst West als einer der ersten Blutspendedienste weltweit mit der PCR-Testung auf Hepatitis B und C sowie auf HIV 1 begonnen. Mit den entsprechenden Untersuchungsergebnissen wurde u.a. die Grundlage dafür gelegt, dass die zuständige Bundesoberbehörde diese PCR-Testung für Hepatitis C (1999) und für HIV 1 (2004) als verbindlich für alle Blutspendeeinrichtungen in Deutschland vorgeschrieben hat. Im DRK-BSD West werden darüber hinaus freiwillig weitere Prüfungen mit der PCR durchgeführt (s. oben und hier).
Die vollautomatische Probenverteilung und standardisierte Testkomponenten für die Untersuchung der Blutspenden auf Infektionsmarker sichern die gleichbleibende Qualität und Empfindlichkeit der Untersuchungsergebnisse in einem Maß, wie sie bei „Handarbeit“ kaum möglich ist. Täglich müssen ca. 12.000 bis 20.000 Laborröhrchen mit dem Probenmaterial der Blutspender bewegt werden, um die Untersuchungen durchzuführen. Teilweise transportieren Roboterarme das Probenmaterial zwischen den verschiedenen Bearbeitungsstationen der Analyseautomaten.

Die Arbeit der Mitarbeiter/innen im Labor erfordert großes Verantwortungsbewusstsein und Fachkenntnisse über die durchzuführenden Untersuchungen und die Funktionsweise der Analyseautomaten. Die Überwachung und Steuerung der Maschinenabläufe verlangt hohe Konzentration und technisches Verständnis.
Ohne moderne Computertechnologie ist die große Menge der täglich zu untersuchenden Blutspenden auch im zweischichtigen Betrieb im Zentrallabor des DRK-Blutspendedienstes West nicht zu bewältigen. Computer steuern die Analyseautomaten und führen Spenderdaten und Untersuchungsergebnisse eindeutig zusammen.
Durch die Barcode-Etiketten auf den Laborröhrchen ist die eindeutige Zuordnung der Daten in der EDV-Anlage möglich. Barcodeleser registrieren die zur jeweiligen Spende gehörigen, einmalig vergebenen Nummern. Die Daten werden in der EDV-Anlage des Blutspendedienstes zusammengetragen und über viele Jahre gespeichert. So lassen sich Untersuchungsergebnisse auch noch Jahre nach der Spende eindeutig zuordnen und nachlesen. Darüber hinaus sichern die Barcodenummern die Vertraulichkeit der Untersuchung.
Für die Untersuchung der Infektionsmarker wird das Probenmaterial in jeweils eine Vertiefung der für die automatisierten Untersuchungen verwendeten Mikrotiterplatten verteilt. Zusätzlich werden mehrere Kontrollen mitgeführt, die durch eindeutig negative oder positive Resultate die ordnungsgemäße Testdurchführung bestätigen. Durch die barcodierte Nummerierung der einzelnen Platten und die Koordinaten des Probenfeldes auf der Platte lassen sich auch hier die einzelnen Proben eindeutig den Blutspenden zuordnen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen müssen schnellstmöglich Auskunft geben, ob eine Blutspende zur Verwendung freigegeben werden kann oder ob einzelne Laborwerte von den Normen abweichen und wegen dieser Auffälligkeiten die Spende nicht eingesetzt werden darf.
Erst wenn weitere Untersuchungen die positiven Ergebnisse der sehr empfindlichen Suchtests bestätigen, erhält der Spender bzw. sein Hausarzt eine Mitteilung über die festgestellten Befunde. Bei Hepatitis-Infektionen ist nach dem Infektionsschutzgesetz außerdem das zuständige Gesundheitsamt unter Angabe der Spenderpersonalien zu informieren.

Blutspenden, die alle Untersuchungen ohne Auffälligkeit durchlaufen haben, erhalten ein Etikett mit Angabe der Blutgruppe und der sonstigen gesetzlich vorgeschriebenen Information. Die Blutkonserve ist gemäß der juristischen Definition des aktuellen Arzneimittelgesetzes ein Medikament. Ihre Herstellung und Untersuchung unterliegt deshalb strengen, genau definierten Vorgaben. Die Herstellung ist erlaubnispflichtig. Unser Zentrallabor wird daher regelmäßig von der Überwachungsbehörde auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Standards überprüft.
Trotz aller Automatisierung geht es nicht ohne Menschen, die Maschinen bedienen, kontrollieren und reparieren. Das Team des Zentrallabors sorgt für die höchstmögliche Sicherheit Ihrer Blutspende werktäglich in zwei Schichten von ca. 22 Uhr nachts bis ca. 15 Uhr des nächsten Tages.



