Erfahrungsbericht unserer Spenderin Frau Sina Kassner
Ein Tag vor Weihnachten - Dienstag der 23.12.2008
Eigentlich habe ich nur noch auf die Post gewartet, da das letzte Weihnachtsgeschenk noch zugestellt werden musste.
Neben dem erwartetem Paket lag auch ein schwarzer großer Umschlag von der Westdeutschen SpenderZentrale (WSZE) im Briefkasten.
Neugierig habe ich den Umschlag aufgemacht und bin der Bitte der WSZE, eine erneute Blutprobe abzugeben - da ich ähnliche Blutmerkmale wie eine Patientin habe, nachgekommen.
An diesem Tag ging es für mich los.
Es war ein aufregendes Gefühl zu lesen, dass man in die engere Auswahl und somit als Spender in Frage kommt.
Sich typisieren zu lassen war für mich eine Selbstverständlichkeit, aber wenn es dann Ernst wird, steigt der Adrenalinspiegel!
Beim Weihnachtsfest stand natürlich die mögliche Knochenmarkspende als das Thema im Vordergrund.
Ich war sehr erstaunt, dass sich alle dafür interessiert haben und genau wissen wollten, wie man sich registrieren kann und wie das weitergeht.
Im Januar kam von der WSZE das zweite Paket, mit der erneuten Bitte, eine Blutprobe abzugeben. Danach kann die ernüchternde Information, dass momentan eine Transplantation nicht durchgeführt werden kann und ich bis Ende März für den Patienten zur Verfügung stehen würde.
Wahrscheinlich war es Schicksal, dass das Rote Kreuz mich im April aufgrund dieser Verfügbarkeit nicht als Blutspenderin nehmen wollte, denn dann kam der Anruf, dass die Spende durchgeführt werden kann.
Wenn man diese Situation nicht selber erlebt hat, ist es kaum nachvollziehbar, aber es war ein unglaubliches Gefühl! Einem fremden Menschen zumindest Hoffnung schenken zu können.
Urlaub für die Zeit vom Arbeitgeber zu bekommen war selbstverständlich und die Unterstützung von der Familie, den Freunden und dem Umfeld war sehr beeindruckend.
In einem Aufklärungsgespräch und weiteren Untersuchungen beim DRK-Blutspendedienst in Ratingen hat man mir den genauen Ablauf der Knochenmarkspende, über die Entnahme im Beckenkamm erklärt. Manches wollte ich gar nicht wissen, aber dadurch hat man bewusst die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich den Ablauf besser vorstellen zu können.
Am 10. Mai 2009 bin ich abends mit meiner Mama nach Düsseldorf ins Krankenhaus gefahren, denn es ist möglich, sich mit seiner Begleitperson ein Zimmer zu teilen.
Der Abend verging schnell, denn wir hatten noch die Möglichkeit, ins Zentrum zu fahren und einen schönen Sommerabend zu genießen.
Als "moralische Unterstützung" habe ich von meinen Eltern einen Teddy geschenkt bekommen, mit einem türkisfarbenen T-Shirt und dem Namen "Hope".
Ich glaube, dass das Wichtigste ist, die Möglichkeit zu haben, einem Menschen Hoffnung zu geben.
Am Montagmorgen war ich die Erste, die operiert worden ist. Glücklicherweise hat mich die Ärztin noch vor dem OP erwischt und konnte mir von meiner kleinen Spendenempfängerin einen Brief überreichen.
Es war ein selbstgemaltes Bild und ein liebevoll geschriebener Brief - ich habe noch nie Gänsehaut beim Lesen eines Briefes bekommen, aber der Satz "Danke, dass Du mir Dein Knochenmark schenkst", ging selbst mit vielen Beruhigungstabletten richtig unter die Haut.
Da der Kontakt zwischen Spender und Empfänger anonym ist, konnte ich durch den Brief immerhin ein paar Einzelheiten erfahren!
Von der OP habe ich nur den Anfang der Narkose mitbekommen und bin kurze Zeit später auf dem Zimmer aufgewacht. Man hat mir gesagt, dass 1 Liter Knochenmark entnommen worden ist und der Eingriff gut geklappt hat.
Das Einzige was ich gemerkt habe war, dass ich in den ersten Tagen sehr müde war. Die Stellen auf dem Beckenkamm haben nicht weh getan und auch sonst hatte ich überhaupt keine Schmerzen.
Aber ganz ehrlich, der Eingriff war für mich aufregend, aber wenn man so einen Brief erhält, ist das absolute Nebensache!!!
Nach der OP habe ich meiner Patientin den gleichen Teddy geschenkt und wir stehen über die WSZE weiterhin in Kontakt.
Jetzt sind 3 Monate vorbei und ich habe die Möglichkeit, mich über das Befinden meiner Patientin zu informieren.
Ich bin schon gespannt und warte auf die Nachricht!!!
(Sina Kassner)



