Luca (3) - "Ohne Bluttransfusionen hat er keine Chance"
Die kleine Fiona schläft, Mama Jennifer wirkt entspannt und zufrieden. Seit Anfang September lebt Familie Dehmke glücklich zu dritt. Jennifer Dehmke ist Kinderkrankenschwester aus Überzeugung. Ihre eigene Schwangerschaft war völlig problemlos verlaufen. Sogar der Kaiserschnitt im Paderborner Vincenzkrankenhaus war wegen der Beckenendlage des Embryos geplant. Es gab dann doch Komplikationen. Infolge einer starken Nachblutung war der Blutverlust groß. Jennifer Dehmke bekam kurz nach der Entbindung vier Blutkonserven. Diese Konzentrate roter Blutkörperchen halfen ihr, den Kaiserschnitt gut zu überstehen.
In der Krankenpflegeausbildung stand die Blutspende als theoretisches Thema auf dem Lehrplan. In ihrer beruflichen Tätigkeit im Klinikum Lippe in Detmold hat Jennifer Dehmke oft erlebt, dass Frühgeborene auch dank zahlreicher Bluttransfusionen überleben. Die eigene Betroffenheit macht dieses Wissen nun viel konkreter.
„Ja klar, ich würde Blut spenden“, sagt die 35-jährige Mutter. „Wenn man selber die Erfahrung macht, wie hilfreich Bluttransfusionen sind, denkt man wirklich anders darüber.“
Jennifer Dehmke mit Fiona.
Kiarah Koch ist drei Jahre alt und weiß genau, was sie will. Seit sie ihr Zuhause in Neuenbeken gegen ein Zimmer in der Kinderklinik des Klinikums Lippe tauschen musste, ist sie noch entschlossener geworden.
Für sie, ihre Eltern und ihren kleinen Bruder Noah (8 Monate) ist seit Ende März nichts mehr wie es vorher war. Kiarah hat Leukämie und muss sich einer Hochdosis-Chemotherapie unterziehen. Immer wieder bekommt sie Bluttransfusionen. Schon nach einer Woche Chemotherapie waren Konzentrate roter Blutkörperchen von lebensrettender Bedeutung. Jetzt braucht sie immer wieder Konzentrate von Blutplättchen. Wenn die Chemotherapie die eigene Zellbildung zerstört, müssen Blutplättchen (Thrombozyten) von außen übertragen werden. Bei einem zu geringen Anteil von Thrombozyten verliert das Blut die Fähigkeit, zu gerinnen. „Für uns sind Thrombozyten flüssiges Gold“, sagt Gritt Koch, Kiarahs Mutter. „Wenn sie die nicht bekommen würde, wäre sie längst verblutet.“
Weder Blutplättchen noch rote Blutkörperchen lassen sich künstlich herstellen. Blut muss nach wie vor gespendet werden. „Man sollte viel mehr darauf hinweisen. Dieses Wissen gehört in jeden Bio-Unterricht“, meint Gritt Koch, die sich rund um die Uhr liebevoll um ihre Tochter kümmert. „Auch mein Leben hat sich komplett verändert. Ohne die Unterstützung meines Mannes René könnte ich das alles nicht schaffen.“
Kiarah wird noch einige Therapien ertragen müssen, kann dann aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein ganz normales, krebsfreies Leben führen.
Kiarah Koch.
Luca Grote (3) hat Fieber. Müde und blass liegt er zuhause auf dem Sofa. Schwester Lara (5) streichelt ihm liebevoll über die Wange. Mutter Sandra beobachtet ihren Sohn besorgt. Denn Luca ist nicht einfach ein Kleinkind, das die üblichen Infektionen durchmacht. Luca leidet unter einer seltenen Form der hämolytischen Anämie. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Ärzte eine sichere Diagnose stellen konnten. Lucas rote Blutkörperchen werden zu schnell abgebaut und können ihre normale Lebensdauer nicht erreichen. Grund ist ein angeborener Gendefekt, der unabsehbar war und wahrscheinlich nicht behoben werden kann. Luca wird voraussichtlich sein Leben lang auf Bluttransfusionen angewiesen sein. Alle vier bis sechs Wochen bekommt der kleine Junge frisches Blut. Die Mutter: „Ich sehe ihm an, wann es wieder soweit ist.“ Schon während der Transfusion kann man gut beobachten, wie er aufblüht.
Luca entwickelt sich normal und kommt immer besser mit seiner Erkrankung zurecht. Auch die Familie hat sich daran gewöhnt: „Bei den ersten Transfusionen waren wir sehr besorgt Aber die Ärzte haben gesagt: Entweder er kriegt das Blut, oder er hat keine Chance.“
Luca und Lara.
