| Anne Grisse |
Blutspende - Ein Geschenk für das Leben

Als ich angesprochen wurde, meine persönlichen Erfahrungen mit einer schlimmen Krankheit und mit lebensrettenden Blutkonserven zu Papier zu bringen, habe ich ohne zu zögern zugesagt. Dabei ist es mir persönlich wichtig, nach meiner ausgeheilten Krankheit anderen Menschen mitzuteilen, wie bedeutend es ist, dass Blut gespendet wird und ich all denen dankbar bin, die ohne es zu wissen, mir mit einer Blutspende geholfen haben. Jeder gesunde Mensch sollte daran denken, dass er mit einem bescheidenen Aufwand Leben retten kann. Wie schnell man zur Betroffenen werden kann, habe ich selbst erfahren müssen.
Es begann während eines Krankenhausaufenthaltes im Frühjahr 1985. Bei einer Blutuntersuchung wurde festgestellt, dass meine Knochenmarkbildung gestört ist. Darüber habe ich mir zunächst keine weiteren Gedanken gemacht. Zu dieser Zeit konnte man auch nichts tun. Ich hatte keine Schmerzen, spürte auch sonst nichts. Ich war jung, steckte voller Optimismus und Lebensfreude. Warum sollte ich mich mit etwas belasten, was meinen täglichen Rhythmus in keinster Weise beeinträchtigte.
Dann, im Jahr 2001, wurde ich aus meiner bis dahin heilen Welt herausgerissen. Es trat das ein, was man mir im Jahre 1985 angezeigt hatte. Ich fühlte mich auf einmal abgespannt, verspürte Schmerzen in der Arm- und Beinmuskulatur. Mein Körper produzierte zu wenig Knochenmark.
In den Jahren 2001 bis Herbst 2003 erhielt ich dann wöchentlich zur Verbesserung meiner körperlichen Verfassung insgesamt 64 Blutkonserven.
Im Klinikum Essen wurde mir zwischenzeitlich die Milz entfernt. Mein Gesundheitszustand hatte plötzlich eine andere Person aus mir gemacht. Die Familie, Freunde und Bekannte erkannten mich kaum noch. Nun merkte ich so richtig, was es heißt gesund zu sein. Alles andere ist auf einmal nicht mehr so wichtig. Trotzdem gab ich die Hoffnung nicht auf, wieder gesund zu werden.
Ende 2003 wurde ich mit einer weiteren niederschmetternden Botschaft konfrontiert. Eine agressive Leukämie wurde diagnostiziert. Es folgten schlimme Wochen mit einer harten Chemotherapie. Auch das brachte keine Besserung. Nur ein passender Knochenmarkspender konnte mein Leben jetzt noch retten.
Ich hatte unbegreifliches Glück. Die Blutmerkmale meines Bruders stimmten mit meinen überein. In der Marburger Uni-Klinik spendete er für mich gesunde Stammzellen und Knochenmark für eine Transplantation. Das Wunder geschah.
Heute bin ich wieder gesund, glücklich, zufriedener als je zuvor, genieße mein Leben und nehme Dinge des alltäglichen Lebens viel bewusster wahr. Seit einiger Zeit engagiere ich mich aktiv im Deutschen Roten Kreuz in Burbach. Unter anderem versuche ich Menschen für eine Blutspende und Typisierung zu gewinnen. Denn aus eigener Erfahrung kann ich am besten vermitteln, wie wichtig es ist, dass Blut gespendet wird. Denn ohne Blutspenden wäre mein heutiges "neues Leben" nicht möglich. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle Blutspender und an die, die es in nächster Zeit werden.



